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Abendexkursion vom 22. Juni Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

Naturkundlicher Nachmittagsspaziergang

Eine stattliche Zahl an hitzebeständigen Interessierten trifft sich heute Nachmittag beim Seetalschulhaus, um sich ins Abenteuer „Pioniere, Mitläufer und Fremdlinge“ zu wagen.
Wir wollen uns auf der heutigen Exkursion mit Ruderalpflanzen und dem Lebensraum Kiesgrube etwas befassen. So richtet sich unser Blick hauptsächlich nach unten; statt der Nackenstarre, droht uns eher der Hexenschuss vom Bücken...
Erkundet werden Plätze, Weg- und Strassenränder, also sog. Ruderalflächen. Gehen wir diesem Begriff auf den Grund, erfahren wir, dass er aus dem Lateinischen stammt und rudus = Steinbrocken bedeutet, in der Mehrzahl ruderis = Schutt, Mörtel. Das ist also ein Lebensraum für Pflanzen, die ohne viel Humus und Wasser auskommen, zuerst da sind.
Also Pionierpflanzen, die sozusagen den Weg für anspruchsvollere Pflanzen ebnen. Natürlich finden sich auch solche ein, die ihren Weg aus den Gärten dorthin finden, und sich mit dem kargen Boden zufrieden geben. In diesem kargen Boden fällt ihre Gestalt entsprechend bescheidener aus, wie zum Beispiel die beiden Wegeriche, die wir in den Rasengittern um die Bäume auf dem Schulhausplatz finden: den Breit- und Spitzwegerich. Wir begegnen ihnen später auf Humusflächen und Wiesen, wo ihre Grösse stattlicher ist.

Der weisse Mauerpfeffer, eine Art, die man gerne in Steingärten pflanzt, welches ihrem ursprünglichen Lebensraum recht gut entspricht (Mauern, Felsen).

Beim Weidenhaus an die Spielwiese angrenzend, wurde eine Landschaft geschaffen, die einer Ruderalfläche par excellence entspricht: nur Kiesflächen. Da diese schon seit einigen Jahren besteht und die Weide Schatten und durch abfallende Blätter Humus spendet, finden sich auch Pflanzen ein, die üblicherweise fetten Boden bevorzugen, wie ein einzelnes Exemplar der Wiesen-Glockenblume oder Vertreter der Pippauen oder Ferkelkräuter. Hier allerdings gerät der Erzählfluss der Exkursionsleiterin (und Autorin dieses Beitrages) ins Stocken. Diese gelben Blumen der Familie der Korbblütler, sehen alle auf den ersten Blick gleich aus (DYC= damn yellow composites, soll ein Botanikprofessor jeweils bei seinen Ausführungen angefügt haben).
Wir verlassen also diese Botanikfalle und begeben uns Richtung Schulareal Hertimatt.

Unterwegs begegnen wir ausgesprochenen Pionieren, wie die Birke (ist immer die erste), oder der trockenheitsliebende Kompasslattich, die in Asphalt- oder Betonritzen gedeihen können. Nicht nur Blütenpflanzen werden als Unkraut beschimpft, auch Vertreter der Süssgräser, wie zum Beispiel die Taube Trespe, die sich gern an Wegränder aufhält oder eben in Weizenfeldern, wo sie offenbar für Ertragseinbussen verantwortlich ist.

An der Luegetshalde fühlt sich der erste Fremdling, den wir beim Namen nennen, sehr wohl: in einer kleinen Blumenwiese vor einem Einfamilienhaus hat sich das einjährige Berufkraut angesiedelt. Es ist eine Neue Welt-Pflanze, ein Neophyt, der in den Naturschutzgebieten ziemlich bekämpft wird.
Weiter oben machen wir die Bekanntschaft mit einem stolzen Exemplar von Königskerze, sie hat sich in einer Hecke versteckt, wächst dort aus halbversiegeltem Boden. Was sich auf dem ganzen Weg immer wieder anbietet, ist der Hopfen- oder Schneckenklee, dessen Früchtchen wie winzige Schneckenhäuschen aussehen. Aus der selben Familie leuchtet uns auch gleich noch der Gewöhnliche Hornklee in einer Rabatte am Strassenrand entgegen. Mit seiner markant aufstehenden Fahne (Teil der Blüte) kann er unverkennbar den Schmetterlingsblütlern zugeordnet werden.
Endlich erreichen wir das Kühle spendende Fornholz, das wir dankbar durchqueren. Am anderen Ende lernen wir eine zweites Gras kennen, das Nickende Perlgras. Seine Blüten sind wie Perlen an einer Schnur aufgereiht. Auf dem Feldweg zwischen Waldrand und Kiesgrube schnüffeln wir an der Wurzel der Wilden Möhre – ein intensiver und richtiger Rüebliduft macht grad Lust auf dieses knackige Gemüse.
In der Kiesgrube erfahren wir, dass diese nicht nur zum Kiesabbau und Betonherstellung dient, sondern durch viele geschaffene Kleinbiotope wertvolle Lebensräume für selten gewordene Amphibien wie der Gelbbauchunke oder Reptilien wie der schön grün schillernden Zauneidechse sind. Auch Sandbienen finden in den noch pflanzenfreien Kieswänden Platz für ihre Brutplätze.
Tapfer marschieren wir noch um die Grube herum, wo an unserer Brätlistelle unser Vize Hampi schon die Glut fürs Grillieren und Tisch und Bank für gemütliches Essen und Plaudern parat hat. Zurückblickend haben wir auf unserem etwa zweistündigen Spaziergang 35 Arten angesprochen und sie mehr oder weniger ausführlich kennengelernt.
 

 

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