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15. Juni 2015 Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

Naturkundlicher Spaziergang im Rebberg

 

Der Tag verspricht herrlich zu werden.  Zwar weht eine steife Brise, dafür wird es am sonnenbeschienen Hang nicht heiss.
Wir stehen in einem der Rebberge der Bio-Winzerfamilie Hartmann aus Schinznach-Dorf. Es ist nicht mehr weit bis zur Stafelegg. Von der Winzerin Kathrin Hartmann erfahren wir, welches die Bedingungen sind um seinen Wein „Bio“ zu nennen. Das etwas Unerklärliche dabei ist, dass man nicht mittels einem Projekt die Auflagen zur Bio-Qualität erarbeiten kann, sondern schon Vorbedingungen da sein müssen (beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Wildblumen, die bereits im Rebgebiet wachsen müssen), dass man überhaupt ins Programm aufgenommen werden kann. Sie führt weiter aus, dass der Mehltau ein ewiges Problem an den Reben sei, das praktisch nicht zu bekämpfen sei. Oder dass die Gänge zwischen den Reben nur zu bestimmten Zeiten gemäht werden dürfen. Entsprechend kann die Flora zwar blühen und versamen, aber das hohe Gras ist auch nicht sehr förderlich für eine grosse Artenvielfalt an Kräutern. Die findet sich eher neben den Reben oder in extensiv bewirtschafteten Wiesen um den Rebberg herum. So hat die Spitzorchis dort ein grosses Verbreitungsgebiet gefunden. Nachstehend eine Auswahl an besprochenen Pflanzen:
 
Häufig anzutreffen im Gebiet ist der hohe Honigklee (auch Steinklee). Wir versuchen herauszufinden ob es sich allenfalls auch im den echten Honigklee handeln könnte. Wir können die Frage trotz Lupe nicht eindeutig beantworten. Die nächste Art aus der selben Familie (Schmetterlingsblütler) wächst gleich daneben: die Saatesparsette. Sie wird gern gesät.
Die nächste dürfte vielen bekannt sein: das echte Johanniskraut (eine alte, bekannte Heilpflanze). Wir lernen den Unterschied zwischen dem echten und dem gefleckten kennen. Neben den scharzen Flecken, die hier auf den Blütenblättern fehlen, kann man zwei Gräte am Stängel fühlen, das Gefleckte hat vier solcher Gräte.
Weitere Wiesenpflanzen, die uns auf unserem Spaziergang begegnen sind:
Die kleinblütige Königskerze (sie unterscheidet sich mit der Narbe von der grossblütigen), sie wird gleich von zwei Raupen bewohnt: diejenigen des Königskerzen-Mönchsfalter.  Die obig erwähnte Orchidee (Spitzorchis). Anhand dieser Orchidee benennen wir die einzelnen Blütenblätter. Alle Orchideenarten haben den gleichen Blütenaufbau, allerdings ist die Gestalt sehr vielfältig und den entsprechenden Bestäubern angepasst. Weiter vergleichen wir die drei heimischen Wegeriche (Spitz-, Mittel- und Breitwegerich . Wir riechen wieder an der Wurzel der wilden Möhre, die einen so intensiven und „leckeren“ Rübeligeruch verbreitet. Es ist auch die Blüte, die oft in der Mitte einen schwarzen Punkt aufweist, der wie ein Käfer aussieht und ein Lockorgan ist. Wir begegnen dem Wiesenlabkraut, dem Halbschmarotzer zottiger Klappertopf, der bei den Bauern nicht so beliebt ist, da er die (Futter-) Grasdecke ausdünnt, der Wiesenflockenblume, der Feldwitwenblume (auch bekannt unter Gufenkissen). Das Eisenkraut, das dort ebenfalls recht häufig ist, bereitet uns zuerst Kopfzerbrechen, doch finden wir zu guter Letzt doch noch die Lösung. Die Tagfalter Schachbrettli und das Ochsenauge schaukeln um uns herum.  Auf dem Feldweg wächst der kleine Wiesenknopf, der einen interessanten Blütenstand aufweist, wir entdecken überall am Wiesenrand die schlaffe Segge, bereits im verblühten Zustand und finden sogar einige Exemplare des mittleren Zittergrases. Wiesensalbei und ein einzelnes Exemplar der Kornblume grüssen uns. Unter den Bäumen finden wir den Geissfuss (Baumtropf, Giersch) und einige wenige Vertreter der Wiesenplatterbse. Ihre gefiederten Blätter weisen zwei Teilblätter und eine Endranke auf. Sie blüht gelb.
Natürlich lassen wir die Vögel auf unserem Spaziergang nicht ausser Acht, mittels Fernrohr, Feldstecher und unserem Gehör bestimmen wir den Zilpzalp, die Mönchsgrasmücke, das Rufen der Goldammer. Über unseren Köpfen segeln der Rotmilan und der Mäusebussard. Wir sichten den Graureiher, einen Turmfalken, Rabenkrähen, hören den Buchfink, die Amsel und eine nicht sicher zu bestimmende Drosselart – möglicherweise ein Schwarzkehlchen.
 
 

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