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Kiesgrube Schafisheim / 28.06. Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

Die moderne Kiesgrube

 
Der Wettergott auf dem SRF-Dach hat wohl einige Vereinsmitglieder abgehalten, sich zum üblichen Exkursionstreffpunkt, dem Seetalschulhaus, zu begeben. Da wir ein kleines Trüppchen sind, fahren wir mit zwei Privatautos zum Exkursionsort nach Schafisheim. Die RBL (unser ursprünglich vorgesehenes Transportmittel) wird uns dies verzeihen !
Es erwartet uns eine exklusive Führung mit Herrn Thomas Gerber, Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons Aargau.  Unser Augenmerk legen wir heute weniger auf spezifische Arten der Fauna oder Flora, sondern ganz konkret auf das Konzept eines Naturschutzgebietes in einem (stillgelegten)Teil einer Kiesgrube und dessen (nachhaltige) Pflege.
Wir erfahren in ausführlicher Art und Weise, wie das Naturschutzgebiet "Buech-Steiacher" konzipiert, welche Kalkulationen gemacht wurden, oder welche Protagonisten im Spiel standen und noch stehen. Die ganzen Ausführungen sind mit pikanten Details gespickt, so dass trotz der Fülle an Informationen keine Langeweile aufkommt.
Ein sehr interessanter Aspekt der Pflege, sind die Weidetiere, welche zum Unterhalt des recht grossen Gebietes eingesetzt werden: Es sind einerseits Rinder, andererseits Geissen. Die beiden Arten sind wohlüberlegt eingesetzt, denn sie haben unterschiedliche Vorlieben an Futter und auch ein anderes Fressverhalten, was sich entsprechend auf die Vegetation auswirkt. Das Rind frisst eher wie ein Rasenmäher, das eingezäunte Gebiet sieht nach einigen Wochen wie ein „englischer Rasen“ aus. Die Geiss hingegen, ist ein Laubfresser, die in der Höhe oder von oben herab frisst (sie steht auf ihre Hinterbeine und frisiert so Bäume und Sträucher, alle haben dann „Fransen“ auf gleicher Höhe ). Glücklicherweise scheint die invasive kanadische Goldrute eine Lieblingsspeise der Geissen zu sein, sie hat diese im eingezäunten Gebiet schnell reduziert, zumindest die Exemplare, die sich noch nicht mit langen Ausläuferwurzeln vernetzt haben.
Ein weiteres spannendes Objekt ist der Baumstrunk  . Er wird sehr gezielt im Bereich des Amphibienstandortes eingesetzt. Wir lernen, dass je mehr feine Wurzeln ein Baumstrunk noch hat, desto wertvoller wird er - aus dem ganzen simple Grund, dass sich in den temporären Tümpeln, die geschaffen wurden, die Amphibien im feinen Wurzelwerk gut vor Fressfeinden, wie beispielsweise dem Graureiher, verstecken können.
Da diese Kleinstrukturen regelmässiger Pflege bedürfen, muss gewährleistet sein, das diese maschinell und somit rationell ausgeführt werden kann. Entsprechend werden sie angelegt. Zwischen den Tümpelreihen sind Fahrspuren, auf denen die Maschinen fahren und links und rechts arbeiten können. Oder die in die Böschungen mit Trockenwiesen eingebauten Senksteinhaufen  , müssen mit der Maschine beim Mähen überfahren werden könne.
 
 
 
 
   
 
Auch das am Schluss noch angesprochene Insektenhotel ist durchdacht und mit verschieden grossen Holzharassen aus Grossverteiler und Baumarkt, in Modulen zum Ergänzen oder Auswechseln bestückt.
Wir verabschieden unseren Referenten und sind wohl einer Meinung, dass diese „Kiesgrubenbiotope“, welche übrigens den ursprünglichen, dynamischen Flussauenlandschaften nachempfunden sind, durchaus ihren Platz haben sollen und deren Aufbau wir nun besser verstehen.
 

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