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12. September 2015: im "Bomgart" Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

Spätnachmittäglicher Besuch in der Baumschule Walti, Dürrenäsch

Ein wunderbarer, sehr warmer Spätnachmittag begrüsst uns an diesem Samstag. Ein hübsches Trüppchen besammelt sich beim Seener Seetalschulhaus . In Dürrenäsch erwartet uns Fritz Walti, eigentlich auch ein „Baumflüsterer“, wie sich bald herausstellen wird.
In seiner Obstbaumschule wenig ausserhalb des Dorfes an einem sanften Hügel werden wir auch bald in seine Welt der Obstbäume eintauchen.
Fritz Walti kommt ohne Umschweife zur Sache: In diesem Bereich seiner Baumschule hegt und pflegt er Dutzende von vor allem alten Apfelsorten für Pro Specie rara (PSR). Diese unterhält an fünf Standorten in der Schweiz mit ihren Vertragspartnern 6000 Obstbäume. Walti Baumschulen ist einer davon. Für die PSR-Sorten werden die Samen von ihnen selber geliefert (von noch existierenden Bäumen). Waltis Aufgabe ist dann das Aufziehen und Pflegen. Fritz Walti pflegt für PSR 126 Obstbäume.
Das A & O der PSR-Obstbäume sind die richtigen Stammbilder. Als robuste Unterlage (also der Stamm) wird der sog. Schneiderapfel, für die Birnensorten die Schweizer Wasserbirne genommen. Dass der Schneiderapfel und die Wasserbirne als Stammbilder gewählt werden hat seinen guten Grund: Sie sind resistent gegen Feuerbrand.

Die gewünschte Sorte also, wird nun – im Falle einer Apfelsorte - auf eben diesem Schneiderapfelstamm mittels Okulation veredelt. Dazu nimmt man vom gewünschten Apfelbaum ein Zweiglein (Edelreis) mit einer Knospe (Auge), macht bei der Unterlage sorgfältig einen Schnitt in die Rinde und setzt den Reis mit dem Auge ein. Das wird nachher ebenso sorgfältig mit einer Bastschnur o.ä. „verbunden“, damit das Ganze miteinander verwachsen kann. Diesen Vorgang nennt man „vegetative“ Vermehrung. Das Heranziehen der Birnensorten geschieht nach demselben Prinzip.

In der Schweiz sind 1000 Apfelsorten erfasst, existieren tun aber wohl mehr. Kennen tun wir hingegen je nach Jahrgang (☺) 3,4 bis vielleicht 10 Sorten. Halt was man heute im Grossverteiler findet oder was man noch von früher kennt.     

Wir spazieren durch sein PSR-Arboretum und lernen einige Apfelsorten näher kennen, fürs Auge, die Hand und natürlich für den Gaumen ☺! 
Hier einige Beispiele:

Entfelder Apfel, Qualitätseigenschaften noch nicht bekannt; Roter Egliswiler    , robust – auch hier fehlen Beschreibungen dieses Apfels; Weisser Winterkalvill, Fruchtfleisch saftig, süss-säuerlich, erdbeerartig gewürzt – er stammt aus dem Südtirol und hat um 1900 soviel wie ein Tageslohn pro Apfel gekostet!! Dies, weil er sehr anfällig ist. Aber wenn er dann mal zur Reife kommt, dann schmeckt er wie Calvados (?). Italienerzwetschge Lerchmüller, Beschreibung fehlt – allerdings wurde diese Sorte der Baumschule Walti von einem Herrn Lerchmüller aus Schinznach übergeben, sie soll aus Italien stammen; Gelbe Zwetschge Gränichen, würzig, wohlschmeckend, gut steinlöslich. Bevor diese alten Sorten jedoch zum Verkauf freigegeben werden dürfen, muss das zuständige Bundesamt sein Einverständnis dazu geben.

25% der Obstbäume bei uns sind Hochstämmer. Sie brauchen auch 2 – 4 Jahre, bis sie soweit sind, dass sie an ihren Platz gepflanzt werden können. Bis sie Früchte tragen, dauert dann auch nochmals einige Saisons. Zudem sind die Früchte geschmacklich eindeutig besser, weil die Früchte kleiner sind (der Baum hat ja auch mehr zu tun, als bei so einem Winzling von Niederstamm).

Nebenan seinen ein- und zweijährigen Obstbäumchen  , züchtet der passionierte Baumschulist auch noch etliche Rosenstöcke – wir nehmen alle ein paar Nasen voll und müssen feststellen, dass so eine Rose halt doch eine wohlriechende Pflanze ist!

Zum Schluss stellt Fritz uns sein neuestes (Versuchs)Projekt vor: das Ziehen der Indianerbanane (Asimina triloba).
Die vitaminreichen Früchte (ca. 9cm lang) dieser seltenen Pflanze haben eine besondere Aroma-Mischung aus Banane, Ananas, Mango & Vanille. Sie ist eine in Nordamerika heimische Pflanzenart aus der Gattung der Papau (Asimina). Die Früchte gelten in ihrem Heimatland noch immer eher als Wildobst oder „rare fruit“. Die robusten Bäumchen sind resistent gegen jegliche Schädlinge und Krankheiten. Sie weisen außerdem eine extreme Toleranz gegen Kälte & Hitze aus. Geerntet werdend die Früchte im Oktober.


 

 

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