Suchen


 
Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

Die „Hendschiker“ Bünz in ihrem neuen Bett

Dieses Jahr haben die Hendschiker Naturschützer in ihr Gebiet geladen. Gemeinsam wollen wir die gut 1 Kilometer lange, renaturierte Strecke von der ARA bachaufwärts (bis fast zum dottiker Dorfbann) erleben.

Der kantonale Projektleiter Thomas Gebert gibt den hitzeresistenten und zahlreich angereisten Mitgliedern der befreundeten Natur- und Vogelschutzvereinen  eine umfassende Einführung in das Bachsystem der Bünz. Nebst geologischen und historischen Aspekten kommt die Wasserbautechnik ebenfalls zum Zuge. Unterstützt werden seine Ausführungen mit zahlreichen Bildern, historischen Karten und Grafiken:

Die Bünz entspringt ihrer Quelle am Lindenberg im Freiamt und mündet nach 25 Kilometern bei Wildegg in die Aare. Ihr Bett hat der Gletscher bei seinem Rückzug in der letzten Eiszeit geschaffen. Wie bei jedem natürlich verlaufenden Fliessgewässer gehören wiederkehrende und flächendeckende Überschwemmungen zu dessen Dynamik. In früheren Jahrhunderten wurden gar Kanäle angelegt um Matten zu bewässern. Dies um den für die Stalleinstreu benötigten Grasertrag zu steigern. Die Bünz war ein Gewässer, das viel über die Ufer trat, entsprechend waren die angrenzenden Gebiete stets sumpfig. In Wohlen wurde daher auch Torf gestochen.
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung, was sich bald in der Ausbreitung der Siedlungsfläche bemerkbar machte. Eine grössere Bevölkerungszahl bedeutet grösseren Nahrungsmittelbedarf. Der Ruf nach mehr Landwirtschaftsfläche wurde laut. Die brachliegenden und fruchtbaren Flächen entlang der Bünz mussten urbar gemacht werden, nicht zuletzt auch wegen den Krisenjahren und zwei Weltkriegen (Plan Wahlen in den 1940er Kriegsjahren), wo die Schweiz auf Selbstversorgung angewiesen war. Also begann man die z.T. schon länger gehegten Meliorationspläne umzusetzen. Die Behörden gingen damals davon aus, dass bei gesicherter Nahrungsmittellage die meliorierten Flächen wieder der Natur zurückgegeben werden würden. Das Gegenteil geschah, nach dem Krieg wurden immer mehr Fliessgewässer eingedohlt, erst in den 1980er Jahren begann ein langsames Umdenken.
Für die Bünz ausschlaggebend war sicherlich die schlechte Wasserqualität, trotz der Kläranlage bei Muri. Ihre Abwässer werden heute direkt in die Aare geleitet, ihr Verdünnungsverhältnis ist besser. Auch die Reinigung der Abwässer der Grossmetzgerei Marti und bessere Emmissionswerte der Sondermüllverbrennung der EMS haben geholfen, die Qualität der Bünz zu verbessern. Ans Zurücklehnen ist jedoch noch nicht zu denken.

Einige Meter weiter erläutert Thomas Gebert die Krux der Wasserbautechnik. Es ist ein stetes Abwägen, wieviel für welchen Zweck und womit verbaut werden soll.
Es sind je nach Bachabschnitt oft Landwirtschaftsflächen tangiert, Verhandlungen mit den Bauern sind nötig.
Am Bachverlauf selber muss den Interessen der diversen Arten von Fauna und Flora Rechnung getragen werden. Der Eisvogel beispielsweise braucht sandige Steilhänge für seine Brutnischen, dem Bauer darf aber das Land durch Ausschwemmungen nicht wegrutschen,  wenn mal ein Hochwasser kommt und die Fische brauchen Ruhe-, Jagd- und Laichplätze mit unterschiedlichen Anforderungen.
Da gilt es Rampen, seichte Stellen, Hangstabilisierungen oder Flachuferzonen mit verschiedenen baulichen Massnahmen zu schaffen. Zudem soll sich die Bünz nicht zu weit ins Bett einfressen, bei der Renaturierung muss demzufolge darauf geachtet werden, dass die Bachsohle hoch gehalten wird. Kein leichtes Unterfangen, all die Bedingungen unter einen Hut zu packen! 
Auch gilt es nicht zu vergessen, Stellen zu schaffen, an denen die Naherholenden den Bach wieder geniessen und erleben können!
Zum Schluss gilt es zu bemerken, dass die hier vorgenommene Renaturierung (eine wenn auch gelungene und als Paradebeispiel geltende) ein Kompromiss darstellt; wir können der Bünz nicht mehr die Fläche zurückgeben, die sie früher zur Verfügung hatte.

Mit knurrenden Bäuchen und trockenen Kehlen, anregend über das Gehörte und Gesehene diskutierend, schlendern wir zum Ausgangspunkt zurück. Dort wird diese erfolgreiche Renaturierung durch die Gemeinde Hendschicken mit dem Bünztalpreise 2016 vom Regionalplanungsverband Unteres Bünztal geehrt. 
Wienerli mit Brot und ein kühles Getränk laden die Teilnehmenden ein, noch ein Weilchen an diesem wieder naturträchtigen Ort zu verweilen.
 

 

      © 2011 created by andrea gutscher & walti-design