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Für die diesjährige Generalversammlung konnte der Vorstand Thomas Gremminger von der kantonale Abteilung Landschaft und Gewässer für ein Referat über Wildtierkorridore im Aargau und Seon im Besonderen, gewinnen:

Warum braucht es intakte Korridore (gilt für die ganze Schweiz)?

Stetig wachsende Einwohnerzahl -> grösseres Verkehrsaufkommen -> mehr Strassen und im Aargau damit auch 3 Autobahnen.
Der Aargau ist einer der am stärksten verschnittenen Kantone in der Schweiz (Strassen, Siedlungen, Eisenbahn). Im Schnitt bleiben dem Wildtier 3,8km2 Fläche bis zur nächsten Siedlung/Infrastruktur.
Da die Wildtiere je nach Grösse und Art Wanderer sind, brauchen sie Flächen um ihren natürlichen Bewegungsdrang (sei es um neue Reviere/Partner/Weiden zu finden) auszuleben: Ein Reh beispielsweise kann bis zu 30km, ein Dachs bis zu 10km wandern um ein geeignetes Gebiet zu finden.
Durch menschliche Aktivitäten werden ihre Lebensräume zerschnitten und verkleinert, es gibt eine Verinselung ihrer Lebensräume, wodurch das Wild in verschiedener Hinsicht unter Druck gerät (Nahrung, Revier, „Genpool“). Um ihrem Drang zur Wanderung nachzugeben, müssen sie zwangsläufig durch Siedlungen, Strassen, Autobahnen und Zuglinien überqueren. Wie sie das anstellen, bleibt ihnen überlassen. Auf ihrer Wanderung brauchen sie sog. Trittseine (wie „Raststätten auf Autobahnen“). Idealerweise sind diese Trittsteine vernetzt – was aber eben schwierig wird.
Im 2001 hatte das BUWAL (heute BAFU) eine gesamtschweizerische Darstellung auf Grund von kantonalen Daten über Wanderungen und Populationen der Wildtiere in Auftrag gegeben. Darauf ist sehr gut ersichtlich, wo die Lebensräume sich als Bänder in Nord-Süd und Ost-West Richtung ziehen. Diese Bänder müssen an besonders engen oder unüberwindbaren Stellen mit Korridoren verbunden werden: z.B. der Jura mit der Ostschweiz.
Diesbezüglich hatte sich ein Gerichtsfall entwickelt, in dem die Störung eines Wildtierkorridors durch einen Militärübungsplatz bis vor Bundesgericht gezogen wurde. Das Gerichtsurteil, ebenfalls aus dem Jahre 2001, gab der Beschwerde führenden Partei Recht!
Im Kanton Aargau ist man daran, 2/3 des Kantons zu vernetzen. Wobei es hier auch zu bedenken gibt, dass Vernetzung um der Vernetzung willen nicht immer Sinn macht, nicht zuletzt aus finanzieller Sicht: wenn der Lebensraum, den es zu vernetzen gilt, klein ist und die Aufwändungen extrem hoch sind, dann macht es keinen Sinn dieses Projekt zu realisieren. In diesem Fall bleiben die Lebensräume eben Inseln.
Nun, wo sind diese Korridore und deren Projektierung festgehalten? Einerseits haben wir als Arbeitswerkzeug den kantonalen Richtplan und zur Umsetzung und Sicherung gelten die kommunalen. Für den Richtplan 2011 sind 31 Korridore (Engpässe, welche die überregionalen Ausbreitungsachsen vernetzen) vorgesehen, diese sind wie erwähnt in die kommunalen R-Pläne aufzunehmen. Es besteht gar die Möglichkeit, dafür Sonderzonen zu schaffen, was noch einen Schritt weitergehen würde, weil da bis ins Detail festgehalten wird, wie der Korridor zu gestalten ist. Soweit ist im Kanton Aargau aber nur eine Gemeinde gegangen, was einmalig ist und es wohl auch bleiben wird.
Andererseits erlaubt der kantonale Richtplan auch, Land zu erwerben, wenn es die Vernetzung verlangt. An einem anderen Ort wird dann Ersatzland abgegeben.

Wie sieht es nun konkret in Seon aus mit Wildtierkorridoren?
Wir haben eine Ausbreitungsachse, die vom Lindenberg her ins Wynen- und Suhrental führt. Diese wird durch die Seetalstrasse und auf der Höhe Birren von der Lenzburger und Schafisheimer Strasse zerschnitten. Auf dem Bild unten ist auch zu erkennen, dass eine „Strasse“ bei Hauri Kiesgrube vorbeiführt, was diese bei ihrem zukünftigen Kiesabbaustandort berücksichtigen müssen. Es müssen da Ausgleichsflächen geschaffen werden, damit die Wildtiere diesen Korridor weiter sicher nutzen können. Nun, welche Massnahmen werden umgesetzt, um die Engpässe möglichst sicher zu gestalten? 
Einerseits haben wir die Unterführung oder Unterlass, wie es heisst, zwischen Birren und Kompostieranlage Häfeli. Diese ist so zu gestalten, dass vor dem Durchlass Strukturen für Kleinsäuger geschaffen werden, bevor sie sich ins „Unbekannte“ begeben. Es wurde wieder aufgeforstet und der Trichter zum Durchlass wird noch mit Sträucher bepflanzt, spätestens nachdem der Radweg erstellt sein wird. Dies sind sicher teure Massnahmen. Kostengünstiger ist da die Warnanlage, die wir auf der Strecke Seon Schafisheim haben. Diese hat zu Beginn tatsächlich nicht so funktioniert, wie sie sollte, wegen technischen Schwierigkeiten. Nun sollte sie aber korrekt arbeiten.
Die Jagdgesellschaften geben Rückmeldungen über die Fallzahlen (Rehe). Im ganzen Kanton sind noch weitere Warnanlagen in Betrieb und man kann pauschal sagen, dass diese Zahlen von 10 auf 1 zurückgegangen sind.
Weitere einfache und somit ebenfalls kostengünstige Massnahmen wären beispielsweise das Abflachen von Ufern, dort wo ein Bach im Korridor liegt. Oder ein Baumstamm als Passerelle über das Gewässer legen. So haben Kleinsäuger gute Chancen solche Hindernisse zu überwinden.
In Hallwil dem Aabach entlang, liegt ein von kantonaler Bedeutung liegender Korridor. Das Projekt zur weiteren Aufwertung des Aabachs liegt vor, konnte aber nicht mehr weiterverfolgt werden, weil der Projektleiter gekündigt hatte und die Stelle eine Zeit unbesetzt blieb. Mittlerweile ist die Stelle wieder besetzt, aber die Arbeiten wie Verhandlungen mit den Bauern beginnen wieder bei Null. Hickhack gibt es v.a. bei Landabtretung -> Wegfall von Subventionen...
Als Letztes zeigt uns Thomas Gremminger anhand von Bildmaterial, wie die verschiedenen Massnahmen (v.a. Unterlasse) von den Wildtieren angenommen werden (Fotofallen) oder eben nicht. Dies im Fall, wenn die Massnahmen falsch ausgeführt wurden (enge Wege mit steiler Böschung). Die nach Aufwertungsmassnahmen jedoch zum Erfolg geführt haben. Aber nicht nur bei den Wildtieren, sondern auch bei Menschen (Walker, Picknicker). Entsprechend mussten weitere Massnahmen getroffen werden, um die Menschen fern zu halten, denn es stört weniger ihre (Tages)Anwesenheit, denn den Geruch, den sie hinterlassen und/oder der ihrer Hunde im Besonderen. Diese Gerüche schrecken die Wildtiere vom Nützen der Querungshilfen ab.
Dieser Link führt Sie auf die kantonale Seite bezüglich der Wildtierkorridore.
 

 

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