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Exkursion vom 8. April Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

 Vogelgesang und Widder

Der heutige Sonntagmorgen präsentiert sich von seiner frühlingshaftesten Seite - wolkenloser Himmel, sonnenwarme Temperaturen im Freien und kühle Schatten im Wald.
So lockt der freundliche Morgen einige Interessierte zu unserem Treffpunkt "Seetalschulhaus", die etwas über Technik und Ornithologie erfahren wollen.

In Fahrgemeinschaften begeben wir uns zum Forstamt am Schürberg. Flavia Geiger aus Schafisheim erwartet uns dort mit weiteren Exkursionsteilnehmern. Flavia Geiger stellt sich kurz vor, bevor wir uns zum Eingang in den "Bierkeller" begeben.

Das geschulte Gehör vernimmt unter all den vielen bekannten und unbekannten Vogelgesängen von Buchfink und Co. schon bald ein feines Stimmchen. So fein wie das Stimmchen, so fein ist das dazugehörige Vögelein: das Sommergoldhähnchen. Es ist einer der kleinsten in der Schweiz brütenden Vögel: Es ist kaum 10cm lang und wiegt keine 7g. Ein wahrlich zierliches Vögelchen. Dafür ist es ein Könner im Nestbau: Seine Nester sind wasserdicht und behalten die Nestwärme bis zu 25 Minuten, wenn der brütende Altvogel das Nest kurz verlässt. Der Nestrand wird "zusammengezogen", so ist die Öffnung klein und die Wärme entweicht nur langsam. Das Sommergoldhähnchen ist ein Frühbrüter, da die Nahrung zum Füttern der Jungen den ganzen Winter vorhanden ist: Insekten, Spinnen und deren Eier. Diese findet der Vogel in der Borke von Bäumen.

Gleichzeitig mit dem Stimmchen des Hähnchens, macht sich die Singdrossel bemerkbar. Sie hat eine ganz perfide Art mögliche Nesträuber von ihrer Brut fernzuhalten: Sie verkotet die Eindringlinge in ihrem Luftraum. Das mag nicht nur unangenehm für diese sein, nein, der Kot verklebt das Gefieder und kann sie flugunfähig machen.
Die Singdrossel liebt die Innereien der Häuschen-Schnecken. Sie pickt die Schale auf und entnimmt die Weichteile der Schnecke - finden wir beim Spaziergang einmal ein leeres Häuschen mit einem Loch, dann war da vielleicht die Singdrossel am Werk. Würmer und im Herbst Beeren sind weitere Speisen der Singdrossel. Kurz gesagt - sie singt oben und frisst unten (in ihrem Habitat).

Das Vogelkonzert am Morgen im Wald überfordert den Laien schnell einmal - wie kann man all die Rufe und Gesänge dem dazugehörigen Gefieder zuordnen? Dafür gibt es Merkverse. Für die Singdrossel eine ganz amüsantes "Gespräch" zwischen einem Welschen und einem Deutschschweizer (was die Autorin leider verpasst hat zu notieren). BirdLife Zürich bietet für die Singdrossel diesen Merksatz an: "Judith, Judith, Judith, Kühedieb, Kühedieb, Kühedieb; Phillip, Phillip, Phillip". 
Weitere Merksätze sind, beispielsweise für den bei uns häufigsten Brutvogel, den Buchfink: "Morgen, morgen, morgen kommt der Gerichtsvollzieherrrrrr", "zitt-zitt-zitt-zitt-sett-sett-sett-tjatt-tjiteríídia", "schwig schwig schwig susch speuzi die aaa!","chumm Ruedeli Ruedeli Ruedeli muesch es Chörnli haa!" und viele weitere.

Blatt der Weisse Pestwurz (Petasites albus) 

Kurzen Sichtkontakt via Fernrohr haben wir mit einem Eichelhäher. Dieser legt sich im Herbst, wie auch Kollege Tannenhäher im alpinen Habitat mit den Arvennüssen, in diversen Verstecken einen Vorrat an Eicheln an, die er aber nicht mehr alle findet. So wäre der Bestand an Eichen theoretisch gesichert.
Die nächste Stimme, der wir einen Moment zuhören, ein hohes, feines Plätschern, gehört zum Rotkehlchen.
Über uns kreist der bei uns sehr präsente Rotmilan. Er und seine Kollegen treffen sich oft auf "Schlafbäumen", mitunter zählt man bis zu 20 Individuen.

Beim Spazieren im Wald trifft der aufmerksame Beobachter oft auf Totholz.
Diese Baumstümpfe oder -strünke sind wertvolle Habitate für Klein- und Kleinstlebewesen. Diese wiederum sind Nahrung für zahlreiche Vogelarten, wie beispielsweise den Specht. Flavia Geiger schildert uns, wie man an der Art der Frassspuren erkennen kann, welche Spechtart sich dort gütlich getan hat. Der Schwarzspecht macht längliche Spuren diese zieht (hackt) er von unten nach oben.

Am Wegesrand erhebt sich nach einem Weilchen eine Böschung. In dieser sieht man mittelgrosse Öffnungen, die auf einen Bau schliessen lassen. Wir haben unter den Teilnehmern einen Jäger, dieser erklärt uns den Unterschied zwischen einem Dachs- und Fuchsbau. Der Dachs gräbt den Bau, lebt darin und wenn er ihn verlassen hat, zieht möglicherweise der Fuchs ein. Der Fuchs kotet im Bau, der Dachs hat seinen "Abort" ausserhalb des Baus. Im vorliegenden Fall wird der Bau vom Fuchs bewohnt (Irrtum vorbehalten, Anm. der Autorin), weil der vorbeispazierende Jäger, schon Jungtiere in der Nähe hat spielen sehen.

 Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis, gehört zu den Wolfsmilchgewächsen)

  So, von den Wildtieren zum Widder. Hans Baumann erwartet uns beim Wasserwidder am Schürberg. Weitere interessierte Exkursionsteilnehmer sind ebenfalls zugegen, so zählt unsere Gruppe gut und gern 20 Personen - eine schöne Anzahl, das freut uns!
Hans Baumann schildert und demonstriert uns das Wie und Warum dieser mechanischen Pumpe. Warum die Pumpe zum "Widder" kam, kann nicht abschliessend geklärt werden.

Als das Wasser für die Waldhütte nicht mehr für den Walhüttenbrunnen ausreichte, suchte man vor ca. 35-40 Jahren eine Lösung für dessen Speisung. Man fand die Lösung quasi in den Bergen. Dort wird das Pumpen von Wasser in höhere Lagen mit dem System Montgolfier gelöst. Dieses Pumpprinzip ist dort recht oft verbreitet. Man kann beim Widder auch von einer Luft-Wasser-Pumpe, die mit dem Kegelventil-Prinzip arbeitet, sprechen. Davon zeugt auch der relativ hohe Geräuschpegel der arbeitenden Pumpe.
Hier am Schürberg wird das Wasser im Sammelschacht, das zum Waldhüttenbrünneli hochgepumpt wird, von zwei Fassungen gespiesen. Die Leitungen von der Quellfassung werden mittels Dükerleitung in den Schacht geleitet (hier Auszug aus Wikipedia zum Begriff Dükerleitung: Im Düker kann die Flüssigkeit das Hindernis überwinden, ohne dass Pumpen eingesetzt werden müssen. Dabei nutzt man das Prinzip der kommunizierenden Röhren, wonach sich Flüssigkeiten in miteinander verbundenen Röhren stets auf das gleiche Niveau einpegeln. Fließt nun auf einer Seite immer neue Flüssigkeit hinzu, so erreicht sie auf der anderen Seite dasselbe Höhenniveau und kann fast ohne Höhenverlust dort weitergeleitet werden).
Nun ein paar Zahlen zur Pumpe:
 
Höhendifferenz zum Brünneli 78m
Grad der Steilheit 1/8
Druck 8bar
Wassermenge zum Brünneli 2%, 98% wird für den Antrieb der Pumpe benötigt
Hochgepumptes Volumen 720l/Tag

Das "Problem" der Pumpe liegt im Wasservolumen, das zur Verfügung steht. Je nach Regenmenge steht mehr oder weniger Wasser zur Verfügung. Folgende Mengen, die durch die Dükerleitung flossen, wurden an unterschiedlichen Tagen gemessen:
24l/min - 50l/min - im September 2017 9l/min - 26.01.2018 27/l und heute waren es zum Messzeitpunkt 21l/min.

Das Restwasser, welches die Pumpe zum Arbeiten braucht, wird mittels Leitung abgeführt und fliesst weiter unten in einen Weiher.

 Soviel zur Technik. Beim nahem Vereins-Brünneli wartet ein von Hampi Loosli gesponserter Apéro auf die Teilnehmer. Wir lassen uns diesen an diesem schönen Plätzchen mit einem Gläschen Wein und Geknabber schmecken - danke Hampi!

 

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