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Regional-Exkursion vom 26. Mai Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

Von Wildem und Wald

Nach 5 Jahren sind wir wieder am Zuge mit dem Organisieren der Regionalexkursion. Zur Erinnerung: Lenzburg, Egliswil, Schafisheim, Staufen, Hendschiken und Seon organisieren im jährlichen Turnus eine Exkursion zu diversen/aktuellen Themen. Die anderen Vereine sind dabei speziell eingeladen wobei natürlich auch andere Interessierte willkommen sind.

Nun also zu unserer Exkursion. Diese haben wir zusammen mit Guido Rütsche, Jäger bei der Jagdgesellschaft Seon-Staufen, organisiert. Das ebenfalls gemeinsam realisierte Waldrand-Aufwertungsprojekt Bampf (siehe Link) ist der Aufhänger dieser Regionalen. Aus logistischen und infrastrukturellen Gründen haben wir die Regionale in den Bereich der Waldhütte verlegt und in 3 Posten soll den Exkursionsteilnehmern Bereiche aus Wald und Wald-/Wiesenfauna nähergebracht werden:

Posten Bruno

Bruno fährt vor Keiler Bruno  
Baumeister Biber Wo gehobelt wird, fallen Späne Bibers "Werkzeuge"


Bruno ist ganz klar die Hauptattraktion am Posten von Jäger Guido Rütsche und Hallwilersee-Ranger Peter Wyss. Bruno ist gross, ca. 120kg schwer, zwischen vier und fünf Jahre alt, von borstigem Äusseren und von Muri stammend. Richtig geraten - Bruno ist ein Schwarzkittel männlichen Geschlechts: ein Prachtskerl von Keiler! Von Jäger Guido erfahren wir Einiges über die grossen, wilden Säue in unseren Wäldern. Erste Exemplare sollen bereits im Seener Wald gesichtet worden sein. Im Folgenden ein paar Zahlen, Fakten und Begriffe zum Wildschwein:
Kein Fell aber Borsten (Haare haben an der Spitze "Gäbeli")
Der Geruchssinn ist ausgeprägter als bei einem Hund
Durchläufer: junge Wildsau zwischen ein und zwei Jahren
Frischlinge: bis 1 Jahr, so lange bleiben sie bei der Mutter; sind in den ersten 10 - 12 Wochen gestreift
Gebrech: Maul
Teller: Ohren
Gewaff: Eckzähne im Unter- und Oberkiefer (des Keilers)
Hauer: nur Eckzähne im Unterkiefer (des Keilers)
Kessel: Nest für Nachwuchs
1'500 erlegte Tiere im Aargau
.5 Mio Wildschwein-Schaden im Aargau
25% des Pachtzinses der jeweiligen Jagdgesellschaft wird für das Begleichen der Schäden genutzt.

Der Druck auf die (Mais)felder wird immer grösser, da die Winter bei uns milder werden und dank dem gedeckten Tisch mehr Frischlinge überleben. Da sie Allesfresser und gar ihre toten Artgenossen fressen, haben die Wildschweine grosse Überlebenschancen.
Sie leben in Matriarchaten in sogenannten Rotten, die von einer erfahrenen Leitbache geführt werden. Der Keiler ist ein Einzelgänger und kehrt nur zwischen November und Februar zurück um sich mit den Bachen zu paaren.

Der andere interessante Gast an diesem Posten ist der Biber. Ihn resp. sicherlich seine Arbeit können wir sehr gut am Aabach bis zum Schloss Hallwyl begutachten. Dass man den Dammbauer auch direkt zu Gesicht bekommt ist nicht selten, denn er ist gemäss Peter Wyss nicht scheu. Herr Biber ist ein genialer Baumeister. Er hat so seine Methoden zum Bäume fällen oder schwerere Stämme zu transportieren: mit Weidenästchen macht er sich eine "Strasse" auf der er dann die Stämme, die er benötigt, beispielsweise im (Boniswiler)Ried transportieren kann. Bei der Arbeit setzt er seine Vorder- und Hinterhand geschickt als Werkzeug ein. An der Kelle (Schwanz) sitzen seine Fettdrüsen. Das Sekret dient zur Fellpflege und Reviermarkierung. Aber nicht nur das Fett schützt den Biber im Wasser, auch sein enorm dichter Pelz (12'000 Haare auf einem cm2 und gar 23'000 am Kopf!).

Der Biber ist bei uns hier wie das Wildschwein ein Rückkehrer. Wir sollten uns eigentlich darüber freuen. Seinen Lebensraum haben wir mit Kraftwerken in den Flüssen, mit Eindolen von Bächen und dem Entzug seines Lebensraumes und nicht zuletzt wegen seines Felles (siehe oben Haardichte) und Fettes (Medizinalmittel) praktisch ausgerottet. Aber wie bei so vielen anderen Wildtieren birgt das Zusammenleben Mensch/Wildtier heute enormen Zündstoff und vielseitigen Wunsch für erneutes Dezimieren.

Posten Wald
Revierförster Marcel Hablützel (Forstbetriebsgemeinschaft Region Seon) stellt uns als erstes die kantonale Initiative "Ja! für euse Wald" vor, bei der er Mitinitiator ist. Mehr über diese Initiative kann hier nachgelesen werden.
Mit seinen Ausführungen zur Bedeutung eines Waldes wird einem schnell klar, warum dem Wald weiterhin grösstmöglichen Schutz gewährt werden sollte. Zum Aargauer Wald auch hier einige Fakten und Zahlen:

35% der Kantonsfläche ist Waldgebiet -> Aargau gilt als Waldkanton
78% gehört der Öffentlichen Hand
22% liegt in privaten Händen

Aufgaben eines Waldes 1Produktionsstätte Holz
1Wirtschaftlichkeit 600'000m3/Jahr wächst Holz heran
2Schutzfunktion 400'000m3/Jahr wird geerntet
3Erholung dazu wurden 4'000km Walstrassen gebaut, um das Holz zu ernten und verkaufen
Argumente für den Wald
Pädagogischer Nutzen (Waldspielgruppen und -kindergärten)
3Sportarena mit Gratiseintritt (41 Mio "Besucher"/Jahr)
Hort der Biodiversität
2Bindet 40-60t Staub/Jahr
2Filtert das Regenwasser -> hat nachher Trinkwasserqualität (40% unseres Trinkwassers stammt aus solchen Quellen)
Von 1'400km Wanderwegen verlaufen 1'000km im Wald

Der Wald steht seit längerem unter grossem Druck: Bevölkerungswachstum -> dies macht sich auch im Wald bemerkbar, -> Holzpreise sinken, der Wald muss wirtschaftlich bleiben, der Forstbetrieb muss damit finanziert werden können. Der Regierungsrat will diese nicht finanzieren, ebensowenig den Aspekt der Erholung: ist Sache der Gemeinden.

Der Seenerwald wird als Dauerwald bewirtschaftet. Das heisst, dass es keine radikalen Kahlschläge gibt, wie wir es von früher kennen oder von anderen Ländern. Es wachsen jung, alt und mittelalterlich nebeneinander; mit gezielten Fällungen kann diese Art von Wald geschaffen werden. Den Ausschlag für die Dauerwald-Bewirtschaftung (mittlerweile hat sich dieses System in den meisten Forstrevieren durchgesetzt) war der Sturm Lothar, als man gesehen hatte, welche Folgen solche Kahlschläge auf das Biotop Wald hatte, auch Vivien oder auch Burglind haben die Erfahrungen von Lothar bestätigt.

Posten Kanton

Reto Fischer erklärt den Lebensraum des Hermelins(?) Die verschiedenen Marderarten Abdrücke aus einer Tintenfalle

Links: Ein Marder greift einen Grünspecht an, dieser fliegt mit damt dem Marder auf, Letzterer muss aber aufgeben und sich aus der Höhe fallen lassen.

Rechts: Beisammensein nach der Exkursion


Reto Fischer von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei empfängt an seinem Posten mit etlichen Tierpräparaten und anderen Utensilien. Wie wir bereits beim Posten Bruno erfahren haben, bezahlen die Jagdgesellschaften dem Kanton Pachtzins um jagen zu dürfen. Ein Teil dieses Zinses kann der Kanton für Aufwertungsprojekte sprechen, welche von Vereinen oder Privaten eingereicht werden. In der Regel werden, wenn ein Projekt unterstützt wird, die Aufwändungen von Maschinen- oder Holzerarbeiten übernommen. So in unserem Fall in der Bampf. Weitere Beispiele von unterstützten Projekten sind Bachdurchlasse, Trockenmauern oder Schaffen von Plätzen in Asthaufen für die Marderaufzucht.
Wenn wir vom Marder reden, muss präzisiert werden, von welchem wir eigentlich reden. Genaugenommen haben wir es bei uns mit 7 Arten von Mardern zu tun. Die zwei grossen, die wir als Laien vielleicht nicht dazu zählen würden sind der Dachs und der Fischotter.
Heute lernen wir von Reto Fischer aber einiges von den kleinen flinken Kerlen:

" Steinmarder (ist der "Autokabelfresser")
" Baummarder (oder Edelmarder -> Pelz(mantel))
" Diese beiden Arten haben die sog. Keimruhe: das befruchtete Ei startet erst mit der embryonalen       Entwicklung, wenn die äusseren Verhältnisse ideal sind - somit verlängert sich quasi die Tragzeit.
" Iltis (weiss-schwarz-weisse Gesichtsmaske); auch Stinkmarder genannt; Feindabwehrmechanismus ums After; springt in buckeliger Art und Weise herum. Eher in Feuchtgebieten anzutreffen.
" Hermelin (auch Wiesel genannt). Im Winter weiss im Sommer oben Braun und unten Weiss.
" Mauswiesel; kann bis zu zwei Würfe pro Saison haben.


Für ein Marder-Monitoring bieten sich Fotofallen oder Tintenfallen an. Bei Letzteren werden die Tiere auf ein Tintenkissen geleitet und nachher auf ein speziell imprägniertes Papier, wo sie ihre Pfotenabdrücke hinterlassen. Allerdings sind klare Abdrücke nicht garantiert und wenn dann viele Individuen darübermarschiert sind, ist das Papier eher ein Kunstwerk als ein Hinweis für die Anzahl Marder.

Nach dem Postenlauf sind die Teilnehmer zu einem Imbiss eingeladen, während dem weiter diskutiert wird und die ebenfalls anwesenden Fachleute noch weiter befragt werden können.
 

 

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