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Herbstexkursion vom 23. September Druckversion anzeigenSchrift vergrössernSchrift verkleinern

Besuch der Gärtnerei Labhart Schafisheim

Ein kurzer Spaziergang bringt uns vom Pfaffenbiel zur Gärtnerei Labhart. Daniel Labhart persönlich empfängt uns und wird uns durch seinen Betrieb führen.

   Labhart ist auch passionierter Kaktuszüchter

 

Zur Einführung umreisst er die Entwicklung seines Betriebes vom Standort Buchs, wo sein Grossvater in den 30er Jahren mit Gemüse und Pflanzen eine klassische Dorfgärtnerei eröffnete, über den Standort Hunzenschwil (heute Burger King), wo die Produktion von Bodendeckerpflanzen ab den 60er Jahren das Hauptstandbein war, bis zur Übernahme durch Daniel im Jahre 2000. Heute wird auf einer Fläche von 10ha mit 15 Festangestellten Pflanzen und weitere Produkte vornehmlich für den Galabau produziert.
Am jetzigen Standort Schafisheim, gelingen Daniel Labhart einige innovative Neuentwicklungen, welche den Einbruch im Tiefpreis-Segment Bodendecker auffangen sollen.


Diese Neuheiten sind einerseits drei Typen von Rollmatten: Sedum (Mauerpfefferarten, für Dachbegrünungen), Phedimus (Glanz-Fetthennen, zur Abdeckung von Böschungen) und Kräuter. Beide Pflanzengattungen Sedum und Phedimus gehören der Pflanzenfamilie der Dickblattgewächse an (Crassulaceae); ihre Blätter habe die Fähigkeit Wasser zu speichern und somit können die Pflanzen gut mit Trockenheit umgehen.
Die Herausforderung bei den Sedummatten bestand am Anfang, eine Grundlage zu finden, die verrottbar ist, der Torfanteil sollte von 40% auf 0% gesenkt werden, was seit 2012 der Fall ist: heute werden die Sedumpflanzen auf einem Vlies aus Getreideresten gezogen. Hingegen kann das Prinzip der Verrottbarkeit nicht an den Phedimusmatten angewendet werden. Dort bleibt das Vlies bestehen. Die Pflanzen können wohl mit dem darunterliegenden Humus verwachsen, das Vlies soll aber die darüber wachsenden Pflanzen vom wurzelfressenden Dickmaulrüssler-Schädling schützen.


Als weitere Neuheit erläutert Labhart seine zahlreichen Pflanzenfertigmischungen in diversen Farben, Wuchshöhen, für eine Vielzahl an Standorten. Allen ist gemein, dass die darin eingemischten Samen den Kunden mit Blüten vom Vorfrühling bis in den Spätherbst berfreuen ("10 Jahreszeiten"). Im Winter dienen die Staudenstängel Insekten und Vögel Nahrung und Überwinterungsmöglichkeiten. Diesen Mischpflanzungen ging und geht eine intensive Zeit von Versuchen und Beobachtungen voran. Zuerst werden die Pflanzen einzeln gesät und deren Entwicklung protokolliert. Dann folgt die Zeit der Aussaat in Kombination der unterschiedlichen Pflanzen. Erst wenn "Design" und Anordnung der Mischung den Ansprüchen Labharts genügen, kommt die Mischung in den Verkauf.

  
Versuchsgarten Blumenmischungen, Detailaspekt einer Mischung
 


Die nächste Neuheit lässt nicht lange auf sich warten - bald gelangt der Gärtner mit Passion mit seinen Sellana-Ziegeln auf den Markt. Das Prinzip ist denkbar einfach, die Entwicklung bis zum fertigen Ziegel jedoch eine äusserst langwierige. Um eine Brachfläche möglichst schnell und beikrautlos mit Flora zu bedecken, werden die Pflanzen-Ziegel an ein paar Orten der Fläche gesetzt. Diese 6-eckigen mit Stauden bepflanzten Ziegel sind Initialpflanzungen, welche die natürliche Ausbreitung über das ganze Areal/Fläche beschleunigen. Auf diese Weise haben Gräser oder unerwünschtes Beikraut, im Gegensatz zur herkömmlichen Saatausbringung, wenig Möglichkeit sich vor dem Blühen der Stauden zu etablieren.
Was hier die besondere Herausforderung war, war das Entwickeln einer gescheiten Form zum Ziehen der Pflanzenmischung: Rund kam von Anfang nicht in Frage, weil sich die Wurzeln sonst spiralförmig dem Topf entlang entwickeln würden, das Ausstechen eines runden Lochs mit dem Spaten ist fast nicht möglich. Hoch auch nicht, viereckig war optisch nicht ansprechend, daher die 6-eckige Form der Schale. Der Boden ist wabenförmig gkonzipiert, damit sich das feine Wurzelwerk der Pflanzen den Wabenwänden entlangschlängeln und beim Versetzen in den Boden leicht "Fuss" fassen kann.

  
Gärtnereiladen mit Detailaspekt
 


Neuester Coup ist der "Gärtnereiladen". Die Privatpersonen können dort in einem ansprechend, labyrinthartig gestalteten Themengarten Wildstauden aus der Region kaufen. Der Kunde erfährt da welche Pflanzen zusammenpassen oder interessant als Nahrungsspender für Insekten oder Vögel sind.
Ebenfalls in vollem Gange ist der Aufbau der Biogärtnerei. Das Biolabel hat die Gärtnerei noch nicht. Die Pflanzen werden jedoch bereits nach biologischen Aspekten gezogen, die Schalen sind in der Kompostieranlage oder im Feldkompost kompostierbar, nicht jedoch im Haushaltkompost.
Die Produktionswege werden auf Kiesgrund begrünt, gemäht, damit keine Unkrauttilgung nötig ist.

Eindrücklich, was Daniel Labhart in den vergangenen Jahren geforscht, ausprobiert, zur Marktreife gebracht hat und wie er seine Ideen und Visionen vorantreibt. Ein wirklich sehr spannender Gärtnereibesuch!

 

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