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Nebst dem ebenfalls portraitierten Graureiher ist der Rotmilan kein seltener Federfreund in den Lüften über unserem Dorf. Er ist unschwer an seinem gegabelten Schwanz (auch in sitzender Position gut zu erkennen), seinem hellgrauen Kopf und dem allgemein rotbraun wirkenden Körper zu erkennen. Wer seinen Ruf schon gehört hat wird ein hohes wiüü – jüjüü unschwer diesem Vogel zuordnen können, auch wenn er nicht in Sichtweise ist und versteckt hoch in den Ästen eines Baumes hockt. Dies und sein gegabelter Schwanz unterscheidet ihn vom ähnlich grossen Mäusebussard, dessen Schwanz beim Flug konvex ausgebildet ist. Man erfreut sich gerne an seinen majestätischen Kreisen, die er unermüdlich über unseren Köpfen im Siedlungsgebiet zieht. Dank seinem leichten Körper (860g bis 1400g (Männchen sind in der Regel leichter)) und den langen, schmalen Schwingen kann er stundenlang segeln ohne grosses Flügelschlagen und somit mit kleinstem Energieverbrauch. Wenn er tief kreist, können wir sein Spiel mit den Schwanzfedern, mit der er präzise die Flugrichtung bestimmt, gut beobachten. Entsprechend ist er kein kräftiger Jäger, der grosse Beutetiere reissen oder Vögel oft im Flug schlagen kann, dafür ist er sehr geschickt. Nicht selten jagt er einem anderen Vogel seine Beute ab.
Auf seinem Speiseplan finden wir Aas, kleine Säuger, Amphibien aber auch Siedlungsabfälle.

Werfen wir nun einen Blick zurück auf seine Vergangenheit in Europa:
Von alters her galt der Milan als Schicksalsvogel. Je nach Land wurde seine Präsenz anders interpretiert: In Rumänien sollen seine Rufe eine kommende Dürre ankündigen, in anderen Ländern gerade das Gegenteil: Der Ruf nach Regen. Auf Sardinien wurde auf den Abschuss verzichtet, weil dies den Tod der Frau des Jägers zufolge haben sollte. Anderswo galt, wenn Milane vor einer Schlacht gesehen wurden, so galt diese als verloren; oder ein Milan auf dem Dach bedeutet Unheil.
Andererseits war der Milan in London des 16. Jhd. ein gern gesehener Vogel, da er die Stadt von Aas säuberte und so dem Ausbruch von Seuchen Einhalt gebot.
Im 18. Jhd. jedoch war der Greif mittlerweile auch auf lebende Beute wie Hühner oder Tiere aus Fasanen- und Rebhuhnzuchten ausgewichen, was dazuführte, dass er auf die Abschussliste kam. Ein leichtes Unterfangen, wenn man bedenkt, wie majestätisch langsam und tief sein Flug ist. Dasselbe gilt ab dem 19. Jhd. auch für Mitteleuropa, wo er auf den fruchtbaren Äckern reichlich Mäuse und Hamster vorfand. Ein Grund für die Menschen von damals, ihn zu jagen. Bis Ende des Jahrhunderts war der Milan in Grossbritannien praktisch ausgerottet worden. Auf dem Kontinent brachte die Industrialisierung der Landwirtschaft, Horstplünderungen oder Vergiftungen, (die anderen unerwünschten Kleintieren galten) den Vogel nahe an die Ausrottung.

 Heute gelten die Bestände in der Schweiz und in Deutschland als unbedingt zu erhalten, denn als „echter Europäer“ ist sein Verbreitungsgebiet auf Europa beschränkt. Warum die Population insbesondere in der Schweiz steigend ist, ist Gegenstand laufender Studien.

Der Urheber der in diesem Text veröffentlichten Bilder, Peter Koch, hat uns diese freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Danke!
 

 

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